Ausbildungsfahrt der PausenhelferInnen 2018 nach Lauenburg

„Eine Konfliktlösung sollte immer vom Ergebnis her gedacht werden – der Einigung.“    (H. Glaßl)

Vom 26.11.18-30.11.18 haben wir uns mit 14 Kindern auf den Weg nach Lauenburg gemacht, um sie dort zu Pausenhelfern und -helferinnen auszubilden.

Frau Nühs, Frau Venturelli und Herr Schweigl haben die Ausbildung vorbereitet und in Module gebaut, die dem chronologischen Ablauf eines Schlichtungsgespräches entsprechen. Somit sollten die Kinder von Montag bis Mittwoch alle Schritte eines Schlichtungsgespräches erlernen, die für die Vorbereitung, Durchführung und Lösungsfindung eines Streitgespräches notwendig sind.

Am Mittwoch dieser Woche kamen die schon ausgebildeten Kinder der 4. Klassen mit der Nachmittagserzieherin Frau Claus dazu, um bei dem Modul „Lösungsfindung“ zu unterstützen, die theoretischen Prüfungen durchzuführen und  am Donnerstag die praktischen Prüfungen abzunehmen .

Viele Segmente der Ausbildung werden in Rollenspielen trainiert – die praktische Prüfung ist eine Simulation eines kompletten Konfliktgespräches.

Einer unser Jungen ist am Mittwoch leider mit Heimweh abgereist und konnte die Ausbildung nicht beenden, ein Mädchen ist ebenfalls am Mittwoch abgeholt worden – die Familie ist ohne vorherige Ankündigung nach Frankreich verzogen.

So konnten wir am Ende aber stolz davon berichten, dass alle verbliebenen 12 Kinder am Donnerstag ihre Prüfung bestanden haben, bei zwei Kindern war es sehr knapp. In beiden Fällen hat die „Prüfungskommission“ (zwei ausgebildete PausenhelferInnen, eine Lehrkraft/Erzieherin) lange diskutiert, ob eine Nachprüfung in Hamburg notwendig sein wird. Im vorherigen Jahrgang waren insgesamt 4 von 17 Kindern durchgefallen, drei haben es in der zweiten Prüfung geschafft, der vierte konnte dann kein Pausenhelfer werden.

Wir wünschen nun viel Spaß bei der Bilderreise durch unsere Ausbildungsfahrt:

Ankunft in Lauenburg – wir rufen die Schiffe auf der Elbe an

Schwerpunkt des ersten Tages ist die Klärung des Begriffes Konflikt, die Bewusstmachung, dass Menschen Konfliktsituationen unterschiedlich wahrnehmen und sich dann auch noch, ihrem Typ entsprechend (wir nennen die Typen Ameise, Löwe, Schlange und Schildkröte), innerhalb der Konflikte verhalten. Auf die verschiedenen Konflikttypen müssen die Pausenhelfer bei Dienstantritt gefasst sein.

Zunächst werden Konfliktsituationen vorgetragen und die Kinder schätzen individuell ein, wie „heiß“ es auf ihrem Streitthermometer werden würde, wenn sie selbst diesen Konflikt hätten.

Ist das im Bewusstsein angekommen, kann es schon losgehen. Der Einstieg einer Konfliktmoderation muss eingeübt werden wie ein Gebet oder ein Gedicht. Den Rest des ersten Tages beschäftigen wir uns mit den festgelegten Phrasen für die Gesprächseinleitung und üben sie im Rollenspiel ein.

Hallo, ich bin euer Pausenhelfer Martin, wie ist euer Name?
Seid ihr freiwillig hier?
Alles, was in diesem Raum besprochen wird, bleibt unter uns, ihr könnt mir vertrauen.
Ihr seid verantwortlich für die Lösung eures Streits/Konfliktes, ich helfe euch dabei, eine Lösung zu finden.
Es gibt hier zwei Regeln: Höflich sein und sich aussprechen lassen.
Seid ihr damit einverstanden?

 

Am Abend fand ein Brettspieleausklang mit einem sehr, sehr spannenden Vier-gewinnt Turnier statt.

Am zweiten Tag geht es in erster Linie um gutes Zuhören, paraphrasieren, das Gehörte gut zusammenzufassen und darum, die Gefühle der Gesprächspartner richtig einschätzen zu lernen, um sie dann an die Konfliktpartner spiegeln zu können.
So haben wir erst einmal geguckt, woran schlechtes Zuhören erkennbar ist. Immer zwei Kinder sitzen sich gegenüber und der eine versucht zwei Minuten dem gegenübersitzenden, schlechtzuhörenden Partner etwas zu erzählen. Das gab vielleicht Emotionen!!

Auf dem Bild sehen wir eine resignierte Weronika, die einer mit dem Handy Selfies schießenden Johanna etwas erzählen soll.

In der Folge sollte natürlich gut zugehört werden und vor allem gelernt werden, wie und mit welchen Satzeinleitungen man etwas Gehörtes gut zusammenfassen kann (Habe ich dich richtig verstanden, das…; Ich habe von dir jetzt gehört, …)

All diese Schritte werden wieder mit der am Vortag eingeübten Einleitung verknüpft und so gewinnen die Kinder immer mehr Überblick über die Chronologie des Gespräches.

Neben den Knetkunstwerken haben wir für das Erkennen von Gefühlen auch menschliche Standbilder erstellt – zwei Kinder mussten ein drittes Kind „stellen“, die Mimik und die Körperhaltung formen.

Am Abend gab es dann passend zum Thema das Kinderkino mit dem Film „Alles steht Kopf“, der die Grundemotionen Wut, Ekel, Angst, Kummer und Freude in bezaubernder Art und Weise in Szene setzt. Es gab auch Gummibärchen und Salzstangen.

Das war gemütlich!

Am Folgetag wurde es deutlich aufregender, da am Vormittag die 14 ausgebildeten PausenhelferInnen der 4. Klassen dazu kamen. Wieder mussten Betten bezogen werden, die Gruppe musste sich neu finden.

Nach einer etwas längeren Mittagspause wurde es aber schon wieder inhaltlich anspruchsvoll. Gemeinsam mit den „Großen“ wurde nun darum gerungen, wie man die Streitenden dahin führt, nicht dem anderen Vorwürfe zu machen, sondern von seiner eigenen Betroffenheit zu sprechen. Hierin liegt der Schlüssel für die Lösung – in der Idee, in der Betroffenheit des anderen, sich selbst und seine eigene Betroffenheit zu sehen.

Am späten Nachmittag wurden dann schon die theoretischen Prüfungen „abgenommen“. Ein Kind der 4. Klasse bespricht die wesentlichen Punkte der Streitschlichtung anhand von 20 Fragen, die sehr kurz schriftlich notiert werden müssen.

Am Abend gab es einen wegen des Sturmes vollkommen misslungenen Fackellauf als Nachtwanderung und danach die „Fernsehshow Streitschlichter-TV“, in der in Talkshowmanier die erfahrenen PausenhelferInnen über ihre Tätigkeit berichten und auch durch die Prüflinge gefragt werden durften.

Leider gibt es hiervon keine Fotos. Die Veranstaltung war von uns Erwachsenen auf 30 Minuten angesetzt – wir haben sie dann nach über 70 Minuten abmoderiert, weil die Kinder ins Bett mussten. Es gab ein enormes Interesse an den Erfahrungen der schon im Dienst stehenden PausenhelferInnen.

Am Prüfungstag herrschte mit Abstand die konzentrierteste und bemerkenswerteste Stimmung aller Tage. Die Drittklässler waren aufgeregt, die Viertklässler fühlten sich geehrt, nun die Prüfungen abnehmen zu dürfen. Am Vormittag probten die Prüflinge noch einmal den gesamten Ablauf und wiesen sich gegenseitig auf kleine Fehler hin. Die Viertklässler erstellten unterdessen ihre Plakate für ihre Patenklasse, in der sie dann – neben der Pausenhelferei – auch außerhalb der Pausen bei Konflikten Ansprechpartner sind.

Hinten die Kommision, vorne das Schlichtungsrollenspiel in der Prüfung

In drei Prüfungsräumen wurden je vier Kinder durch die Prüfung geschleust. Eine Prüfungskommission von zwei ausgebildeten Pausenhelfern und einer Erzieherin oder einer Lehrerin beurteilen das Konfliktgespräch im Rollenspiel. Gespielt werden die Konflikte ebenfalls von bereits ausgebildeten Kindern. Mit Hilfe eines Einschätzungsbogens wurde die Prüfung durch die Prüfer dokumentiert, Gelungenes danach gelobt, Fehlendes als noch verbesserungswürdig erwähnt.

Und wenn es dann gut gelaufen ist, dann sah eine Prüfung im Verlauf so aus:

Einleitung durch die Schlichterin, danach erzählen die Konfliktpartner, um was es geht.

 

Die Schlichterin führt sie mit Hilfe von klaren Regeln und gutem Zuhören auf den Weg einer Lösung.
Hier erfährt sie von der nicht im Bild zu sehenden der Prüfung vorsitzenden Viertklässlerin, dass sie bestanden hat.
Stolz

Wie auch 11 andere…… …..hier vier von ihnen.

Natürlich musste das abends in einer rauschenden Kinderdisco mit allem, was Bauchweh macht, gefeiert werden.

Es wurde getanzt, überdreht geweint, gesungen und am Ende viel zu spät geschlafen – so wie es sich für eine Abschlusskinderdisco gehört.

Am Freitag ging es dann sehr übermüdet auf den Heimweg.

Heute sind die Schlichter nun schon fast schon ein Vierteljahr „im Dienst“. Einmal wöchentlich kommen sie zu Frau Nühs und Herrn Schweigl in die Supervision – hier wird neben Fallbesprechungen auch Organisatorisches geklärt und Kurzschlichtungen auf dem Hof als Alternative bei niederschwelligen Konflikten besprochen.

Was bleibt zu sagen?

Wir sind sehr dankbar für die Ermöglichung dieser Reise. Die Kinder sind auf diese Weise nicht nur schneller, sondern auch deutlich nachhaltiger ausgebildet worden. Sie wirken beim Zusammenkommen wie eine eigenständige Gruppe und nicht wie ein Konglomerat aus sechs verschiedenen Klassen.

Schon im April 2019 stehen die Wahlen der im kommenden Schuljahr neu auszubildenden PausenhelferInnen der jetzigen 2. Klassen an. 14 Kinder verlassen uns zum Schuljahresende und gehen dann an weiterführende Schulen. Aus den jetzigen vier 2. Klassen werden dann insgesamt 20 gewählte Kinder auf die Liste gesetzt. Abschließend kann man dann mit ca. 15 neuen Kindern zum Dezember rechnen, die dann das Team verstärken können.

Für dieses Mal heißt es aber erst einmal aus vollem Herzen.

Alle Bilder von der Ausbildung unserer Pausenhelfer 2018 in Lauenburg.

Unser Konzept der Pausenhelfer