Ausfahrt der PausenhelferInnen 2019 nach Lauenburg 4.11.19-8.11.19

Ziel eines Konfliktes oder einer Auseinandersetzung sollte nicht der Sieg für eine, sondern der Fortschritt für beide Parteien sein. (Joseph Joubert)

Auch in diesem Jahr ging es mit diesmal 19 Auszubildenden der dritten Klassen am 4.11.19 Richtung Lauenburg. Vier harte Ausbildungstage warteten auf die erwartungsvoll gespannten Kinder.
Neben Herrn Schweigl und Frau Nühs haben Frau Dreßler und ab Mittwoch Frau Schomers die Ausbildung geleitet und durchgeführt.


Wie im vergangenen Jahr, sind die bereits ausgebildeten SchlichterInnen am Mittwoch (6.11.19) angereist, um die letzten Module der Ausbildung tatkräftig zu unterstützen, aber vor allem, um am Donnerstag die praktischen Prüfungen abzunehmen. Auch die theoretischen Prüfungen wurden in diesem Jahr durch die ViertklässlerInnen begleitet.
Schon in den sechs Vortreffen vom August bis in den November zeichnete sich ab, dass wir es in diesem Jahr mit einer besonders motivierten, sehr konzentrationsfähigen Gruppe zu tun haben würden. Im Verlauf der Ausbildungsfahrt hat sich diese Wahrnehmung nachhaltig bestätigt. Wir haben diese Ausbildungsfahrt inklusive der Fahrten an anderen Schulen nun schon fünfmal durchgeführt, so viele Inhalte wie in diesem Jahrgang haben wir noch nie in den vier Ausbildungstagen unterbringen können. Wir waren so zügig, dass wir die Kinder, die die Prüfung nicht bestanden hatten, noch mit ein wenig zeitlichem Abstand ein zweites Mal vor Ort testen konnten. Herkömmlicherweise findet die Zweitprüfung sonst im laufenden Schulbetrieb statt.
In diesem Jahr ist es uns somit gelungen, alle Inhalte auf der Reise zu platzieren, so dass in den jetzigen Supervisionsstunden tatsächlich Fallbesprechungen stattfinden können und nicht – wie in den vergangenen Jahren – Themen wie Gesprächsabbruch und Dokumentation nachgelegt werden mussten.
Auch wenn die Dokumentation im Folgenden der des vergangenen Jahres sehr ähnelt, die Intensität dieser Ausfahrt verspricht insgesamt eine qualitativ nachhaltigere und reflektiertere Arbeitsweise der neu ausgebildeten PausenhelferInnen. Dies zeigt sich schon jetzt, drei Wochen nach „Dienstantritt“ der neuen PausenhelferInnen in der Praxis – sowohl in praktisch-organisatorischer als auch in qualitativer Hinsicht.


Da in den Wochen vor Reiseantritt in der wöchentlichen Pausenhelferstunde schon umfassend und kindgerecht erarbeitet werden konnte, was ein Konflikt ist, dass jeder Mensch einen Konflikt anders wahrnimmt (Konfliktthermometer) und dass die Verarbeitung eines Konfliktes bei jedem Menschen anders verläuft (Konflikttypen Schlange, Löwe, Schildkröte und Ameise), konnten wir in diesem Jahr direkt mit dem Einstieg in das Schlichtungsgespräch beginnen.

1.Hallo, ich bin euer Pausenhelfer
Martin, wie ist euer Name?
2. Seid ihr freiwillig hier?
3.Alles, was in diesem Raum
besprochen wird, bleibt unter uns,
ihr könnt mir vertrauen.
4.Ihr seid verantwortlich für die
Lösung eures Streits/Konfliktes, ich
helfe euch dabei, eine Lösung zu
finden.
5.Es gibt hier zwei Regeln: Höflich sein
und sich aussprechen lassen.
6.Seid ihr damit einverstanden?

Mit Hilfe von sogenannten Hosentaschenkärtchen übten die Kinder die gebetsartige Einstiegssequenz, die ein friedliches Schlichtungsgespräch erst ermöglicht, bis sie das Kärtchen nicht mehr benötigten.
Nach Anreise, Betten beziehen Mittagessen und der beschriebenen Einstiegssequenz, stehen am ersten Reiseabend immer Brettspiele auf dem Programm. Innerhalb des Spieleabends wird für interessierte Kinder ein 4-gewinnt Turnier angeboten. In diesem Jahr konnten wir uns das erste Mal über eine weibliche Siegerin freuen.
Der zweite Ausbildungstag beschäftigt sich vormittags mit den Themen Zuhören und Paraphrasieren, um sich am Nachmittag dem Wahrnehmen von Emotionen zu widmen. Hintergrund für diese thematische Auswahl ist der chronologische Verlauf des Schlichtungsgespräches, welcher der Ausbildung insgesamt die inhaltlichen Vorgaben macht. Nachdem die Kinder die Gesprächseröffnung geübt haben, lernen sie nun, was aktives Zuhören bedeutet und warum es wichtig ist, das jeweils von den Streitenden Gehörte zusammenfassend zu wiederholen. Im Anschluss an die Paraphrase ist die durch den Streitschlichter gespiegelte Wahrnehmung des Gefühls der Streitenden für den jeweiligen Konfliktpartner oft ein Schlüssel für die Eröffnung der Lösungsfindung.

In einer Form der „Kopfstandmethode“ wurde zunächst geübt, wie man besonders schlecht zuhört. Im zweiten Schritt wird geübt, wie man zugewandt und interessiert dem oder der Erzählenden ein Gefühl des Verstandenwerdens gibt.

Der Abend endet – thematisch passend- mit dem Kinderkino. „Alles steht Kopf“ – ein zauberhafter Film, der die fünf Grundemotionen personalisiert und im Kopfe eines ca. 10jährigen Mädchens schalten und walten lässt.

(Diesmal durften wir sogar die Matratzen aus dem Keller heraufholen, um es uns NOCH gemütlicher zu machen!)

Bevor die 4. KlässlerInnen vor der Mittagszeit eintrudelten, stand am dritten Tag der schwierigste Part des Schlichtungsgespräches auf der Agenda. Die Streitenden werden mit Hilfe des Streitschlichters/der Streitschlichterin auf den Pfad gebracht, den Anderen und dessen Motive zu betrachten. Hierin liegt der finale Schlüssel zur Lösung. Erkenne ich das Motiv und besteht dieses nicht aus reiner Boshaftigkeit, so habe ich eine Chance, den anderen in seinem Handeln zu verstehen.
Die durch vier Fragen des/der Schlichtenden „herausgekitzelte“ Ich-Botschaft beider Streitenden bietet zumindest die Grundlage einer Klärung.
Zwischendrin wurden wir immer vom unendlich netten Personal kulinarisch verwöhnt. Grundsätzlich sei an dieser Stelle gesagt, dass es aus unserer Sicht keinen besseren Tagungsort als Lauenburg geben könnte. Neben der tollen Unterbringung und dem wirklich reichhaltigen, abwechslungsreichen und leckeren Essen, ist es für unsere kleinen Rollenspielsettings enorm wichtig, viele kleine Räume zu haben, in denen in Kleingruppen
geübt werden kann. Dies ist in Lauenburg der Fall. Hier stehen uns neben Tagungsraum, Vorhalle und Essensraum vor allem noch die drei Prüfungsräume im Keller zur Verfügung.

Leckeres Essen mit Buffet und immer wechselnden Sitzkombinationen. Auch hier wurde die aus 7 Klassen zusammengewürfelte Truppe zur Gruppe.

Am Mittwochabend haben wir diesmal ein neues Element eingebaut. Da ein Sturm im vergangenen Jahr den traditionellen Fackellauf zu einer Art Feuerwehrübung gemacht hatte, haben wir eine herkömmliche Nachtwanderung in ein stockdunkles, angrenzendes Naturschutzgebiet veranstaltet. Mit Taschenlampen durfte das Schokomonster gesucht werden, welches in einem umgestürzten Baum für jedes Kind eine Kleinigkeit versteckt hatte. Aber einmal aus seinem Versteck brüllen durfte es dann auch, so dass alle mit großem Schreck und süßem Mund den Rückweg antreten konnten.
Im Anschluss bekamen in einer Art TV –Talkshow die Aspiranten die Möglichkeit, die Erfahrenen zu ihren Erfahrungen zu befragen. Dieses Segment ist im vergangenen Jahr deutlich spannender und umfangreicher verlaufen, ist aber vielleicht auch auf die Müdigkeit vieler Kinder zurückzuführen gewesen. Ende der Veranstaltung 20:50 Uhr.

In den roten Sesseln 6 der erfahrenen SchlichterInnen, im Publikum die AspirantInnen. Fragen nach dem schlimmsten Fall, wie oft man Dienst leisten muss, ob es auch mal langweilig ist, usw…

Am Donnerstag, dem Prüfungstag, ist die Anspannung vor der Prüfung bei den DrittklässlerInnen deutlich zu spüren gewesen. Die Kinder hatten am frühen Vormittag eine Art kurzes theoretisches Prüfungsgespräch mit einem 4.Klässler, einer Erzieherin oder einer Lehrerin zu führen, danach mussten sie ohne jegliche visuelle Hilfe den Ablauf eines Gespräches im Rollenspiel einmal „durchproben“.

Bei der letzten Probe:
Rechts die Schlichterin, links die Streitenden, dahinter, voll konzentriert, die Beobachterin, ob alle wesentlichen Elemente beachtet wurden.

In dieser Zeit sind die 4. Klässler mit Frau Schomers Geocachen gegangen – auf sie wartete am Nachmittag ein Prüfmarathon von 14:15 -17:45 Uhr, schließlich gab es 19 Kinder zu prüfen.
In drei Prüfungsräumen wurden je vier Kinder durch die Prüfung geschleust. Eine Prüfungskommission von zwei ausgebildeten Pausenhelfern und einer Erzieherin oder einer Lehrerin beurteilen das Konfliktgespräch im Rollenspiel. Gespielt werden die Konflikte ebenfalls von bereits ausgebildeten Kindern. Mit Hilfe eines Einschätzungsbogens wurde die Prüfung durch die Prüfer dokumentiert, Gelungenes danach gelobt, Fehlendes als noch verbesserungswürdig erwähnt. In diesem Jahr haben wir während der Prüfungen nicht fotografiert – es hat zu viel Unruhe in das simulierte Gespräch gebracht. Dafür diesmal alle Fotos, aller Kinder mit Urkunde – auch wenn zwei Kinder „eine Ehrenrunde“ drehen mussten.

Wir sind sehr stolz auf unsere neuen Schlichter* und deswegen konnten wir uns auch unmittelbar nach den Prüfungen auf unsere wirklich tolle Abschlussparty freuen. Vorbereitet von einigen Kindern aus der 4. Klasse und zwei Lehrerinnen. Es wurde unendlich viel getanzt und gelacht, bis alle müde um 21:30 Uhr ins Bett fielen.
(* 1 Hierbei muss erwähnt werden, dass die hohe Quote der bestehenden Kinder kein Zufall ist. Die Kandidaten für die Ausbildung können auf drei Wegen in den Ausbildungskurs kommen: Wahl durch die Klassengemeinschaft der abgebenden Klassen (5 pro Klasse); Lehrerempfehlung, (max. 2 pro Lehrkraft), „Ausbilderjoker“ (Kinder, die den Ausbildern auf dem Schulhof als qualifiziert erschienen, max. 2 Kinder). So können also bei vier Klassen im Jahrgang 30 Kinder auf der Liste stehen – diesmal waren es 25 Kinder da Lehrervorschlag und Kinderwahl oft identisch waren. Jedes Kind führt mit den AusbilderInnen ein individuelles Gespräch. Hierbei alleine sind schon drei Kinder aus dem Raster gefallen. Die nächsten drei haben sich in den Stunden vor der Reise als nicht „durchhaltefähig“ oder am Thema zu wenig interessiert erwiesen. Somit ist die Sichtung vor der Abreise schon überaus selektiv.)

Auch bei der Abschlussfeier zeigte sich ein neuer, aus unserer Sicht unbekannter Teamgeist der Dritt – und Viertklässler. Es wurde gemeinsam gefeiert, es war ein herrliches Miteinander.

Der Discoraum erfüllt optisch alle Standards, die für unsere Kinder wichtig sind. Dunkel, bunt, laut.

 

Am Abreisetag dann wurden die Kinder schon in ihre 6er Teams eingeteilt, damit so schon am Wochenende der Dienstplan geschrieben und ab dem 11.11.19 mit den Diensten gestartet werden konnte. Hier nun die 5 Teams. Ein Mädchen ist nicht auf den Fotos zu sehen.

 

 

Wir hatten als AusbilderInnen wirklich erfolgreiche Tage, auf dem Schulhof sind nun insgesamt 31 PausenhelferInnen, die sowohl in den Pausen als auch als PausenhelferpatInnen ihre Arbeit in den Klassen tun. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung durch unsere Sponsoren und freuen uns schon auf den April – dort sind dann die Wahlen und Bewerbungsgespräche der jetzigen Kinder der 2. Klassen.
Auf ein Neues in 2020 !

Bilder unserer Pausenhelferfahrt

Download: Ausfahrt der PausenhelferInnen 2019 nach Lauenburg